"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" - Auf den Spuren von Ingeborg Bachmann




Ingeborg Bachmann kam 1926 in Klagenfurt zur Welt, einer Stadt, die sie zugleich nährte und beengte. Hier besuchte sie die Volksschule, das Bundesrealgymnasium und schließlich die Oberschule für Mädchen in der Ursulinengasse. Wer heute aufbricht, ihren Wegen nachzuspüren, beginnt am besten im Robert-Musil-Literatur-Museum in der Bahnhofstraße 50 – einem stillen Ort, an dem Literatur wie ein feines Gewebe zwischen den Zeiten hängt.

Von hier führt der Weg weiter zum Neuen Platz. Er wirkt noch immer wie ein Schauplatz, auf dem Figuren aus Stein der eigenen Bedeutung müde geworden sind. Für Bachmann war dieser Platz ein Sinnbild: eine Kulisse, die mehr über Versäumnisse erzählte als über Siege.

Ganz in der Nähe liegt die Ursulinengasse mit dem Gymnasium, das nach Jahren der Wandlung heute ihren Namen trägt. Man kann darin eine späte Geste erkennen, vielleicht auch ein Eingeständnis, dass diese Stadt erst lernen musste, was sie an ihr verlor.







Ein paar Schritte weiter erhebt sich das Stadttheater, ein Haus, das für sie immer mehr war als ein Gebäude – eher ein Resonanzraum für Wahrnehmung, ein Ort, an dem das Licht des Herbstes und die Ahnung einer größeren Welt ineinander übergingen.

Von dort geht man weiter in die Radetzkystraße, dann in die Henselstraße. Hier bezog die Familie 1933 ein Reihenhaus. In dieser nüchternen Umgebung begann sie, die Sprache als Ausweg zu entdecken, als Möglichkeit, das Gegebene zu verwandeln. Vielleicht liegt genau darin ihr künftiger Ton – eine Mischung aus Zärtlichkeit und stillem Aufbegehren.

Am Fuß des Kreuzbergls verzweigen sich drei Wege zum See. Der schönste trägt heute ihren Namen: „Bachmannweg“. Wer ihm folgt, sollte sich Zeit nehmen. Erst in der Langsamkeit wird spürbar, was dieser See für sie bedeutete – ein Ort der Kindheit, ein Versprechen von Ferne, ein leiser Abschied.

Später kann man mit dem Bus zurück in die Stadt fahren und den Tag im Café Ingeborg beschließen – einem Ort, der trotz seines Namens nichts mit ihr zu tun hat. Vielleicht ist das eine der kleinen Ironien, die Klagenfurt sich leistet: dass es ihr ein Denkmal setzte und doch zugleich so lange zögerte, ihr wirklich ein Zuhause zu sein.