Wo der Lindwurm schweigt und die Stadt antwortet - Momentaufnahmen aus Klagenfurt

 



Es beginnt mit einem Mann, der mit seinem Hund abklatscht. Nicht im metaphorischen, sondern im wortwörtlichen Sinn. Der Hund hebt die Pfote, der Mann die Hand - und beide treffen sich irgendwo zwischen Ernst und Spiel. Man möchte die Szene filmen, aber man merkt, dass sie im Standbild stärker wirkt.

Am Bahnhof staut sich die Hitze des Tages auf der Betonplatte wie ein Gespräch, das zu lange geschwiegen hat. Zwei Männer in Lederhose und mit Rollkoffer eilen Richtung Zug. Im Schatten der Bahnhofsuhr sitzt ein Bettler, der mehr Flüche kennt als Bitten. Er schimpft auf den Staat, das Wetter und das WLAN. Aber wenn man genau hinhört, ist da eine fast rhythmische Poesie in seiner Wut - als wäre sie geprobt, nicht aus Not, sondern aus Haltung.





Ich gehe weiter in die Innenstadt, vorbei an einem Geschäft mit dem Namen "Bastl WG", was klingt wie eine ironische Selbsthilfegruppe für kreative Selbermacher. Etwas weiter bietet die "Nähambulanz" Soforthilfe für gerissene Nähte und vielleicht auch für eingerissene Tagespläne.

Auf dem Neuen Platz dann der Lindwurm, dieses steinerne Fabelwesen aus der Sage, steht wie immer da, als wäre er in sich selbst versunken. Und genau dort, vor seinem steinernen Maul, wagt ein Kind die ersten Schritte seines Lebens. Der Kontrast ist absurd und rührend: das uralte Tier aus Stein und das wackelnde Jetzt eines jungen Lebens.






Eine Frau in Leggings geht vorbei, auf ihrem T-Shirt der Aufdruck "Trust your heart", eine Mischung aus Ratgeberbuch und Kleidungsstück. Sie trägt es, als würde sie es eher anderen zurufen als sich selbst. 

Ich betrete einen der Innenhöfe, in denen die Stadt einatmet. Hier ist die Hitze gedämpft, die Welt entrückt, hier herrscht Stille, fast Feierlichkeit. Vielleicht ist das Klagenfurt: eine Stadt, die ihre Geschichten nicht erzählt, sondern zulässt, dass man sie findet.