- ,,Von frühester Kindheit an hatte ich die Vorstellung nicht von dieser Welt zu sein. Ich sah aus und redete wie die Erdlinge, kam aber in Wirklichkeit von der Sonne. Das erklärte das seltsame Anderssein der anderen. Aus mir selbst rätselhaften Gründen durfte ich mit niemandem über meine Herkunft sprechen. Meine Mission war unklar. Ich hielt es für eine gute Idee, erstmal alles zu beobachten." Dieses Zitat von Wolfgang Herrndorf findet sich auf der Webseite "über Wolfgang". Er war mit Leidenschaft Schriftsteller, arbeitete auch, nachdem er an einem Gehirntumor erkrankte, mit Hochdruck weiter. ,,Am besten geht´s mir, wenn ich arbeite", steht da auch, ,,ich arbeite in der Straßenbahn an den Ausdrucken, ich arbeite im Wartezimmer zur Strahlentherapie, ich arbeite die Minute, die ich in der Umkleidekabine stehen muss, mit dem Papier an der Wand. Ich versinke in der Geschichte, die ich da schreibe, wie ich mit zwölf Jahren versunken bin, wenn ich Bücher las."
- Berühmt wurde Herrndorf mit seiner Roadnovel "Tschick", die auch verfilmt wurde. Weniger bekannt ist, dass der Autor auch malte, die Malerei gab er aber nach der Veröffentlichung seines Debütromans "In Plüschgewittern" auf, wobei er einige Exponate auch vernichtete. Wie als Schriftsteller war Herrndorf auch als Maler Perfektionist, legte aber keinen Wert darauf, sich in diesem Bereich zu verwirklichen. 2016 gab es im Literaturhaus München dazu auch eine Ausstellung mit dem Titel "Zitate. Bilder von Wolfgang Herrndorf".
- Die Zeitschrift "Die Welt" nannte ihn einen "Mann, der aus der Welt gefallen ist", einer der 99 Prozent der Kunstgeschichte ablehnte, hervorragend Schach spielte und sich das Programmieren selbst beibrachte. In seinem Alltagsleben war er allerdings Asket. Holm Friebe schreibt dazu: ,,Eine Schale Heidelbeeren markierte für ihn den puren Luxus. Dieser Lebensstil ermöglichte ihm das ökonomisch flache Atmen, das Durchtauchen unter dem Existenzminimum, was ihn unangreifbar und künstlerisch unkorrumpierbar machte. Einzig der tagein, tagaus Rammstein und Prolltechno hörende Nachbar nervte."
- Und dann ist da noch sein Buch "Arbeit und Struktur", dass ich so sehr mochte. Es dokumentiert die letzten Jahre seines Lebens, das man nach seinem Suizid als Fragment veröffentlichte. Ein Buch, das einen lange nicht loslässt, das von Herrndorfs Ausnahmezustand erzählt, gleichzeitig aber so unglaublich lebensbejahend ist. ,,Ich kann kein Instrument spielen. Ich kann keine Fremdsprache. Ich habe den Vermeer in Wien nie gesehen. Ich habe nie einen Toten gesehen. Ich habe nie geglaubt. Ich war nie in Amerika. Ich stand nie auf einer Bergspitze. Ich hatte nie einen Beruf. Ich hatte nie ein Auto. Ich bin nie fremdgegangen. Fünf von sieben Frauen, in die ich in meinem Leben verliebt war, haben es nicht erfahren. Ich war fast immer allein. Die letzten drei Jahre waren die besten."
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