Alles in Frage stellen


 

"Ich bin dafür, dass man alles in Frage stellt. Das ist enorm wichtig für die Entwicklung eines Menschen, sich jeden Tag aufs Neue zu hinterfragen. Nichts ist fataler als Menschen, die unverbesserlich sind. Mir wurde beigebracht, dass ein Mensch dadurch beeindruckt, einen Standpunkt zu haben, den zu vertreten und dann an ihm festzuhalten. Alles andere sei Opportunismus. Das sehe ich anders. Ich glaube, unsere Gesellschaft krankt daran, dass sie sich nicht hinterfragt. Dadurch ist keine Veränderung möglich. Man gesteht sich auch keinen Fehler ein, weil das als Niederlage gilt und wir keine Kultur des Scheiterns haben. Es ist interessant, dass wir uns seit Jahrhunderten klassische Stoffe vorspielen, fast ritualisiert, dass da aber keine Entwicklung eintritt. Wenn ich einen Shakespeare anschaue, sind die Konflikte, die da geschildert werden, erschreckend aktuell und zeitgemäß (...) Das sind immanente Konflikte, die der Mensch nicht überwinden kann, weil sie ihn ausmachen."

(Lars Eidinger im Galore-Magazin)