"Von dieser außerordentlichen Frau, dem innerlich freiesten und natürlichsten Menschen, dem ich begegnet bin, gleichmäßig ausgezeichnet von höchstem weiblichen Charme, gepflegtester geistiger Kultur, kritischer Klugheit, anmutigstem Humor und vollkommenster Vorurteilslosigkeit, wird in anderen Zusammenhängen mehr zu sagen sein."
Sie war bekannt für ihren Freiheitsdrang und ihr äußerst freizügiges Liebesleben: Die Rede ist von Franziska zu Reventlow, die von ihren Zeitgenossen auch die "wilde Gräfin" genannt wurde. Im Jahr 1895 begann sie in München ein Malstudium und schloss sich der Schwabinger Künstlerszene an. Mit dem Studium begannen auch ihre wilden Jahre mit unzähligen Affären, durchzechten Nächten und exzessiven Festen. 1897 wurde ihr Sohn Rolf geboren, den sie alleine aufzog und dessen Vater sie nie preisgab. Überschattet wurde ihr wildes Leben allerdings von finanziellen Sorgen, von ihrem Kampf um künstlerische Anerkennung sowie von gesundheitlichen Problemen. 1909 zog Franziska zu Reventlow schließlich nach Ascona, wo sie auch ihre letzten Lebensjahre mit Schreiben verbrachte.
Franziska zu Reventlow - ursprünglich Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Comtesse zu Reventlow - begehrte ihr ganzes Leben lang auf. Sie war widerspenstig, ließ sich in keine Schublade stecken, war klug, schön und begehrt. Wer sich noch näher mit ihr und ihrem Leben auseinandersetzen möchte, sollte sich den beeindruckenden Tagebüchern und ihren Briefen widmen, die im Igel-Verlag erschienen sind. Dort wird noch deutlicher, wie sehr sie unter den vorherrschenden Rollenbildern und Klischees litt und wie sehr sie die Liebe brauchte: "Ich habe viel zu wenig Liebe in meinem Leben gehabt, und wer hätte sie wohl so gebraucht wie ich?"
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