"Ist Lieben eine Kunst?", fragt Erich Fromm oder ist sie nur eine "angenehme Empfindung, die man rein zufällig erfährt?" Um Liebe zu erleben, schlagen Menschen unterschiedlichste Wege ein, wobei alle vorwiegend das Ziel haben, als besonders liebenswert zu erscheinen, um dadurch dem Gefängnis der Einsamkeit und dem Gefühl des Abgetrenntseins zu entkommen.
Fromm unterscheidet dabei zwischen einer symbiotischen Vereinigung, bei der man den Partner zu einem untrennbaren Bestandteil seiner selbst macht und der reifen Liebe, bei der man auch die eigene Individualität und Integrität bewahren kann.
Der Psychoanalytiker versteht unter dem Begriff "Liebe" aber nicht nur eine Bindung an eine einzelne Person, sondern auch eine Charakterorientierung, eine Haltung, die seine Beziehung zur Welt als Ganzem bestimmt. Dennoch sind viele nach wie vor überzeugt davon, dass Liebe nur durch ein bestimmtes Objekt zustandekommt: "Wenn jemand aber nur eine einzige andere Person liebt und ihm alle übrigen Mitmenschen gleichgültig sind, dann handelt es sich bei seiner Liebe nicht um Liebe, sondern um eine symbiotische Verbindung oder um einen erweiterten Egoismus."
Liebe ist laut Fromm nur dann möglich, wenn man aus der "Mitte seiner Existenz" heraus lebt, was natürlich eine ständige Herausforderung darstellt. 'Eine weitere Voraussetzung ist der Glaube, womit der Psychoanalytiker auch den Mut meint, ein Risiko einzugehen: "Liebe ist ein Akt des Glaubens, und wer nur wenig Glauben hat, der hat auch nur wenig Liebe."
Ein Buch, das auch heute noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und nach wie vor tief berührt. "Nicht lieben lassen, sondern lieben lernen ist also das Gebot."
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