Im Jahr 1976 erschien Erich Fromms wegweisendes Buch "Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft". Die Unterschiede zwischen diesen beiden Existenzweisen des Haben und Seins macht Fromm dabei an verschiedenen Beispielen deutlich, unter anderem auch am Lesen. In der Existenzweise des Habens "konsumieren" wir Romane oder Lehr- und Schulbücher, wir rezipieren sie und geben sie so vollständig wie möglich wieder. In der Existenzweise des Seins hingegen setzt sich der Leser mit dem Inhalt intensiv auseinander und hinterfragt ihn, er gewinn dadurch neue Erkenntnisse, die über den reinen Wissensbesitz hinausgehen. Sein ist also immer etwas Lebendiges, etwas Emotionales und Individuelles, eine Art inneres Tätigsein, um auf diese Weise auch sich selbst Ausdruck zu verleihen.
Ich nehme das Buch in regelmäßigen Abständen zur Hand, vor allem dann, wenn ich wieder einmal vom Modus des Habens diktiert werden, der in unserer Überflussgesellschaft eines der obersten Ziele zu sein scheint, um dann immer wieder aufs Neue festzustellen, dass Konsum auch ziemlich unfrei machen kann. "Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?", fragt Fromm und darüber lohnt es sich nachzudenken.
Lesestoff*:
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