"Miroloi" von Karen Köhler gelesen und sehr gemocht. Was ist ein Miroloi? Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Klagelied". Die Sängerin dieses Klagelieds ist eine junge Frau ohne Eltern und Namen, die - den Beschreibungen nach zu urteilen - auf einer Insel vor Griechenland lebt. Auf dem kleinen Eiland gibt es noch keine Gleichberechtigung, die Menschen werden an den Pranger gestellt und gesteinigt, die Frauen zwangsverheiratet. Die Protagonistin ist eine Außenseiterin, eine, die man vor dem "Bethaus" ausgesetzt hat und die kein Teil der Gemeinschaft sein darf.
Der Leser begleitet das Mädchen, das sich schließlich in einen "Betschüler" verliebt und von ihm auch einen Namen erhält, auf ihrem Weg der Wissensaneignung, er erhält Einblick in ihre Missbrauchserfahrungen und ihre Glaubenskrisen und ist auch dabei, als sie beginnt, ihre Sexualität zu erkunden. Was auffällt, ist Karen Köhlers Gabe, alltägliche Dinge zu etwas Besonderem zu machen, und ihre eigenwilligen Wortkreationen wie "Wortpinseln" oder "Augentoren". Zudem greift sie auch viele Debatten auf, die auf die Gegenwart durchaus übertragbar sind, Themen wie Manipulation, Machtmissbrauch oder Männerherrschaft.
Daher ist es aus meiner Sicht absolut unwichtig, ob alles, was in diesem Buch beschrieben wird, auch der Realität entspricht oder entsprechen könnte, denn die Autorin hat hier eine Welt erschaffen, mit der sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten möchte: Es geht um die weibliche Selbstbestimmtheit, den Weg aus dem Patriarchat und sie zeigt, wie schwierig es ist, diesen Weg zu beschreiten. Ein mutiges Buch, eine große Empfehlung, auch wenn der Roman für sehr viele Debatten sorgte.
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