Die neunundvierzigste Kalenderwoche


 

Ein Pendeln zwischen Leichtem und Schwerem, zwischen Müde- und Wachsein. Dazwischen Kaffee, Kekse und Stollen und das Gefühl, die Wörter, von denen ich glaubte, dass sie mir abhanden gekommen waren, wieder neu zu entdecken. Mich in Geduld mit mir selber üben, leiser treten.

Auf YouTube den Kanal "Reflections of Life" entdeckt, auf dem Menschen über ihre Erfahrungen sprechen. Besonders berührt hat mich das Video eines Indigenen, der sagt: Der Mensch will das Menschsein überstürzen, fast so, als ob keine Zeit mehr übrig wäre. Deshalb vergeht die Zeit für solche Menschen auch sehr schnell. Ein Baum ist sich seiner selbst bewusst. Er ist hier, er ist nicht in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Die künstliche Intelligenz hat uns von dem, was ist, weggeführt und uns in den "könnte sein"-Zustand versetzt und den spirituellen Aspekt dessen, was einen Menschen ausmacht, verdrängt. Die Technik hat aber keine Weisheit. Sie ist eine Sprache der mentalen Logik. Und dort gibt es keine Weisheit. Es ist nicht die Sprache des Herzens."

Moritz Krämer und Paul Sies haben ein neues Lied veröffentlicht, dass voller Weltschmerz und Melancholie steckt, aber gleichzeitig so beruhigend ist, dass man es ruhig in Dauerschleife hören kann. 

Und dann auch ein Gedicht von Peter Handke entdeckt, den ich so gerne lese, weil er das genaue Hinschauen so gut beherrscht:

"Angesichts des Zweigs vor dem Himmel:
Gewiß erwarte ich keine Gotteserscheinung.
Aber ich erwarte doch mehr zu sehen,
Als ich im Augenblick sehen kann.
Und ich weiß,
Daß ich mehr sehen kann -
Viel mehr.
Und als ich das dachte,
Hörte in meinem Innern das Zählen auf."